2 Ärzte in Hamm, die Debatte beginnt!
Unlängst haben sich zwei Ärzte aus Deutschland über die übertriebene "Fürsorge" an alte Menschen geäußert. Sie brachten dabei die hohen Kosten ins Spiel und ob sich der Aufwand überhaupt noch lohnte.
Konkret ging es um die Hausärzte Dr. Dirk Hensel und Dr. Ulrike Leise-Rauße aus Hamm. Sie sagten sinngemäß, dass „Lebensverlängerung nicht immer das höchste Ziel“ sein dürfe und viele Hochbetagte intensiv behandelt würden, obwohl Nutzen und Lebensqualität fraglich seien. Übertherapie am Lebensende, so ihre Aussage.
Dabei verwiesen sie auch auf die stark steigenden Gesundheitskosten im sehr hohen Alter.
Da ich ja nun selber zu den Hochbetagten gehöre, denke ich, dass ich dazu eine Meinung äußern kann, ohne gleich der Interessenvertretung beschuldigt zu werden. Denn zu meinen Erfahrungen gehören zwei Ereignisse, die in das Bild passen.
Zum einen ist da Tante Mariechen, von einem Jugendlichen mit Moped schwer angefahren, im Krankenhaus liegend, die nur noch ihren Tod wünschte. Damals waren Patiententestamente gerade aufgekommen, aber unser altes Tantchen war da nicht auf der Höhe der Zeit. Es bedarf zwei Operationen, bis Mariechen endlich starb.
Zum Zweiten betraf es die Mutter von unserer Freundin, die noch, schwach und hinfällig, kurz vor ihrem Tode noch ausgiebig operiert wurde.
In beiden Fällen war für den Betrachter klar ersichtlich, dass hier noch Einnahmen für das unterfinanzierte Krankenhaus akquiriert werden konnten.
Ich will hier nicht die Ärzte an den Pranger stellen, sie sind Teil unseres Wirtschaftssystems und das ist eben kapitalistisch.
Ethische Grundsätze, oder für die Gläubigen, Gottes Gebote, vertragen sich nun mal nicht mit der Weltwirtschaftsordnung. Wenn als einziges Äquivalent für alles nur das Geld in Frage kommt, dann sollten wir nicht heucheln und so tun, als wäre es nicht so.
Die beiden Ärzte aus Hamm nannten auch Zahlen. Genau habe ich sie nicht mehr im Kopf, aber für über 85-jährige waren 29 Tausend Euro genannt, während es bei den Menschen unter 85 Jahren nur 11 Tausend Euro kosten würde. Die Zahlen sind 2023 erhoben worden. Ich mache mal bei diesen Angaben ein Fragezeichen, aber die Relation ist schon erschreckend.
Aber was können wir ohne Revolution tun?
Da sage ich, lasst doch die Menschen einfach sterben, wenn sie es wollen!
Ich wette, dass zumindest ein Viertel aller alten Menschen gerne ihre Schmerzen, Behinderungen, ihre Unselbständigkeit, ihre Unmündigkeit gegen eine sanften Tod eintauschen würden. Und ich weiß, wovon ich rede. Ein verlängertes Leben mit Schmerzen, Atemnot und geistiger Behinderung ist doch ziemlich das Letzte, was ein “mündiger Bürger” will.
Aber da kommt dann die Heuchelei ins Spiel.
-Sterbehilfe, nein das wollen wir nicht, das kann der Patient doch nicht selber entscheiden. Da gibt es göttliche Vorgaben und außerdem haben wir eine Ethik-Kommission.
- Nur nicht zu starke Schmerzmittel, die könnten ja die grausige Lebenserwartung reduzieren!
Aber eventuell ist der Anstoß von Dr. Hensel und Dr. Leise-Rauße, die Initialzündung für leichte Einsichten. Die zur Zeit regierenden haben es nicht so mit dem Sozialen. Zumindest nicht mehr nach den Wahlen. Sparmaßnahmen zur Sicherung der Regierungszeit sind gefragt. Da könnte es leichte Lockerungen der super-ethischen Heuchelei geben.
Dem entgegen wird natürlich die gesamte hochprofitable Versorgungsindustrie stehen. Denn die Alten- und Pflegeheime sind ja meist Aktiengesellschaften. Die wollen natürlich lange pflegen. Das bringt den Profit!
Und der Absatzmarkt für die vielen, vielen nutzlosen Produkte, die den Alten Menschen aufgeschwatzt werden, darf ja auch nicht verloren gehen. Da wird dann wieder Heuchelei eingesetzt. So mit Etik und so.
Ich selbst mache mir da keine Illusionen, ein Anstoß wird den Zug nicht ins Rollen bringen. Wie auch, solange Krankenhäuser und Altenheime profitabel sein müssen, wird der gut gemeinte Vorstoß der beiden Ärzte nach einigen Tagen vergessen sein.
Am 28. Mai 2026