Politiker

Einer meiner Leser hat mich gefragt, was ich über unsere Politiker denke. 

Nun muss ich bescheidenerweise darauf hinweisen, dass ich kein Verfassungsrichter bin. Und selbst wenn ich das wäre, gäbe es keinen rechtlichen Grund, unsere amtierenden Politiker in ihre Schranken zu verweisen. Bisher ist alles legal, so wie es unsere Verfassung vorsieht. Und da gibt es schon eine kleine Einschränkung. Keiner der führenden Politiker ist durch eine Direktwahl ins Amt gekommen. Eine Direktwahl sieht unsere Verfassung nicht vor. 

Nun sind die Spitzenpolitiker der einzelnen Parteien auch ihre Galionsfiguren. Es sind also Leute, die die Interessen ihrer Partei so vertreten, dass es nach außen wahrnehmbar ist. Wir wissen aus der Vergangenheit, dass es reine Gutmenschen nur äußerst selten in Spitzenpositionen schaffen. Da wird schon oft auf die Schultern der Mitkonkurrierenden getreten und da bleibt manches Mal auch ein Gutmensch in den unteren Reihen der Partei vergessen. Eine Galionsfigur einer Partei muss also durchsetzungsstark, schlau, nicht unbedingt klug, frei von Selbstzweifeln und etwas selbstverliebt sein. Er muss es verstehen, sich bei seinen Mitstreitern beliebt zu machen, denn um eine Spitzenposition zu behaupten, braucht es Verbündete. 

Eine Rolle spielt es natürlich auch, ob der Spitzenmann (eee.. kann natürlich auch eine Frau sein, natürlich nur theoretisch) die politische Linie seiner Partei innerlich unterstützt. Ich denke, das ist bei CDU, CSU, LDP und AfD doch sicher der Fall. Leichte Zweifel habe ich da bei SPD, Die Linke, Die Grünen, BSW und die Krümel Parteien. Menschen mit ausgeprägtem Karrierebewusstsein haben sich schon manches Mal als nicht das erwiesen, für das sie gewählt worden sind. 

Nun wissen wir ja alle, dass zwischen Wahlversprechen und der späteren Realität eine gewaltige Lücke klafft. Glückliche Zeiten sind nie nach Wahlen eingetreten, wie es auch heute wieder zu sehen ist. 

Mit unserer Stimme auf dem Wahlzettel können wir das System nicht verändern. Wir können die Systemeigenschaften nur verschärfen oder abmildern. 

Und so ist es eigentlich egal, wie unser Bundeskanzler vor uns hintritt. Nun gut, er will uns immer alles ganz genau erklären, weil wir doch so manches nicht verstehen. Und verspricht uns auch von Zeit zu Zeit, dass er vieles besser machen will. Aber im Grunde kann er nur, wenn er die Mehrheiten dafür im Bundestag bekommt, an den Stellschrauben leicht drehen. Unser System ist wie ein übergroßer Tanker, der ein ungeheures Beharrungsvermögen hat und acht Kilometer Bremsweg benötigt. 

Unser Vizekanzler mit einem freundlichen Gesicht ist dem System hilflos ausgeliefert. Warum der Mann das macht, ist mir ein Rätsel. Seine Entfernung von der ursprünglichen Arbeiterpartei SPD beträgt Lichtjahre. Der Mann ist doch nicht doof, weiß also, dass er den Wählerauftrag seiner Partei in keiner Weise durchsetzen kann. Also überwacht er die Umsortierung der Finanzen im Sinne seines Koalitionspartners. In seinem Fall wird es nur um die Einkommenssicherung für sein späteres Leben gehen. 

Aber der lustigste Politiker von allen ist der CSU-Vorsitzende. Seine Anstellung als Ministerpräsident von Bayern kann er ohne Mühe nebenberuflich erfüllen. In Bayern wissen alle, was zu tun und zu lassen ist. Hauptberuflich ist er als Kabarettist, Alleinunterhalter und Pausenklon unterwegs. Der Mann hat die Gabe, sich selbst nicht ernst zu nehmen. Nur seine Vorschläge zur aktuellen Politik sind ernst gemeint, gehören aber eigentlich auch in eine Scherzkiste. 

Zusammenfassend will ich sagen, die Art und Weise, wie sich Politiker geben, wie sie an ihre Aufgaben herangehen oder wie sie mit den Bürgern kommunizieren, verändert nicht das System an sich.

So wichtig, wie sich Politiker immer fühlen, sind sie nun auch nicht. 

 

23. Oktober 2026  burman