Werbeerlebnis

Als ich neulich eine kostenfreie App geladen habe, wurde ich gefragt, wie ich es mit dem Werbeerlebnis gestalten will. Also auf mich zugeschnitten oder ganz allgemein dem Trend folgend.

Ja, bin ich denn in einem Irrenhaus? Diese ständig verfolgende Pest wird plötzlich Werbeerlebnis genannt.

Ja, immer wieder rieselt Werbung aus allen Kanälen und aus dem Internet auf uns herab. Fast schutzlos sind wir dem ausgeliefert. Wunderbare Getränke, Autos auf fast leeren Gebirgsstraßen, Feuchtigkeitscreme für Schamlippen, glückliche Kinder werden uns gezeigt, die durch einen Süßstoffriegel wunderbare Lernergebnisse vollbringen, und es werden Webseiten angepriesen, die uns die endgültige Erleuchtung bringen werden.

Und das alles ist nun ein Werbeerlebnis.

Wenn ich also die auf mich zugeschnittene Werbung gewählt hätte, dann hätte ich alles präsentiert bekommen, was ich bisher über das Internet gekauft habe. Und nicht nur das, auch die Produkte werden beworben, deren Webseiten ich nur besucht habe. Das wird dann peinlich, wenn mir haufenweise Dildos und Gleitmittel angeboten werden. Aber auch Angebote von Rollatoren, Behindertenfahrzeugen, Gehhilfen und anderem medizinischen Gerät zur Altenpflege kränken meine Eitelkeit.

Und das Ganze nennt sich nun Werbeerlebnis.

Treffe ich keine Wahl, dann wird mir der aktuelle Trend angeboten. Also Turnschuhe, ohne die ein Jugendlicher sich nicht in seiner Clique sehen lassen kann, Musikvideos passend zur nächsten Jugendparty oder prickelnde eisgekühlte Getränke, die von der gegenübersitzenden wunderschönen Geliebten geschlürft werden. Alles voll im Trend der Zeit.

Nur wenn ich mal vergesse, die Werbung zu überspringen, und sie doch unbewusst in mich aufnehme, dann komme ich mir vor wie ein Astronaut auf einem anderen Stern. Die staunen dann in Büchern oder Filmen auch immer über das unverständliche Gebaren in dieser fremden Zivilisation.

Werbeerlebnis, ja, unser Zeitalter ist bunt und für alles nach oben offen. Bin gespannt, wie das nun weitergeht.