Jetzt bin ich doch ein wenig stolz

Jetzt bin ich doch ein wenig stolz. Ich habe 2020 ein Buch veröffentlicht (Nach meiner Zeit), in der einige meiner Geschichten zu finden waren. Die damals utopische Erzählung “Nach meiner Zeit” ist im Wesentlichen 2005 entstanden.

Im Text ging es darum, die im Zeitraffer vermutete Rückschau auf ein Leben im Augenblick des Sterbens, technisch zu erfassen und daraus ein Programm zu entwickeln, das später den Verstorbenen am PC  simulieren kann. 

Seit 2024 wird das von mir beschriebene in den USA schon kommerziell angewandt. Zwar nicht so spektakulär (im Augenblick des Sterbens) wie ich es damals aufgeschrieben habe, sondern mit zahlreichen Interviews vor dem Dahinscheiden. Das Ganze wird dann durch die KI aufbereitet und die Nachgeborenen haben später eine nette Unterhaltung mit den Vorfahren.

Hier mal, was darüber so bekannt ist:

In den USA sind mehrere Start-ups damit aktiv. Beispiele sind HereAfter AI, StoryFile oder Eternos. Die Methoden unterscheiden sich:

  • Manche arbeiten mit klassischen Video-Interviews.
    Die Person beantwortet hunderte Fragen über Kindheit, Liebe, Werte, Fehler, Lebensweisheiten. Später kann ein Enkel z.B. fragen: „Wie war dein erster Job?“ und bekommt eine passende Videoantwort.
  • Andere erzeugen echte Chatbots mit geklonter Stimme.
    Dort kann man freier sprechen. Die KI formuliert neue Antworten im Stil der verstorbenen Person. Das fühlt sich deutlich „lebendiger“ an, ist aber auch ethisch heikler.
  • Einige Systeme kombinieren Audio, Fotos, Briefe, WhatsApp-Nachrichten und Videos zu einem digitalen Avatar. 

Ja, ich war schon ein Visionär!

In der gleichen Geschichte, etwa 2005 geschrieben, erzählt mein Enkel seinem verstorbenen Großvater die neue gesellschaftliche Bewertung von Doping im Sport und auch sonst.

Hier ein Ausschnitt:

„Alles fing damit an“, dozierte Ulli weiter, „dass man Doping im Sport nicht mehr kontrollieren konnte. Da hat man die Einnahme von leistungssteigernden Mitteln dann freigegeben. Es war ein Riesenerfolg. Die großen Pharmafirmen übernahmen das Sponsoring ganzer Vereine. Die Sportler mussten sich vertraglich dazu verpflichten, nur die leistungssteigernden Medikamente der jeweiligen Sponsoren einzunehmen. Die Dosierung wurde vom Trainer und den Club Ärzten festgelegt, je nach Wichtigkeit des Wettkampfes. Auf den Trikots steht hinten immer noch die Nummer des Spielers, aber vorn, auf der Brust steht zum Beispiel - Chemoliner -, oder - Höllenritt -.“

„Na hat das nicht gesundheitliche Folgen für die Sportler?

„Natürlich, deshalb bekommen sie ja auch keine Verträge über mehrere Jahre, wie es bei euch damals war. Die sind so eine Art freie Mitarbeiter und Vertrag und Spielprämie werden nur immer für ein Event ausgehandelt. Es geht ja jetzt nicht mehr um den Sportler oder Spieler, der ist austauschbar, es geht darum, welches Leistungs Medikament das Bessere ist.“

„Ja, dann kommt es doch ganz sicher auch zu Zusammenbrüche oder Fehlleistungen während einer Sportveranstaltung oder eines Fußballspiels!“

„Kaum, die Dosierungen sind schon sehr fein abgestimmt. Denn ausgewechselt darf nicht werden. Keine Pharmafirma will verlieren. Erst nach mehreren Einsätzen zeigt sich, ob ein Mittel bedenklich war. Es kommt dann schon vor, dass die Muskeln ein wenig überdehnt sind und die Arme nur noch so rumhängen. Vor allem die Geräteturner haben es da nicht leicht. Die Boxer muss man nach zwei bis drei Kämpfen einsperren oder in einer Zwangsjacke in Familienaufsicht geben, weil sie unheilbar aggressiv geworden sind. Für die ausgemusterten Leichtathleten gibt es gut entwickelte Rollstühle und die geistig behinderten Fußballer kommen zurück zu ihren Familien. Die Fußballer sind meist harmlos, nur kleine Hund oder Katzen dürfen ihnen nicht in die Quere kommen, weil sie damit Pässe schlagen oder auf ein imaginäres Tor schießen.“

So hatte ich es mir etwa 2005 in meiner Erzählung erdacht.

Und nun, 2026:

Dabei handelt es sich um die sogenannten Enhanced Games, die am 24. Mai 2026 im Hotel- und Casino-Komplex Resorts World in Las Vegas ausgetragen wurden. Bei diesem hoch umstrittenen Format ist der Einsatz von leistungssteigernden Mitteln unter medizinischer Aufsicht nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht.

Die wichtigsten Details und Reaktionen zu dem Event auf einen Blick:

  • Das Konzept: 42 Athleten traten in den Disziplinen Schwimmen, Leichtathletik (100-Meter-Sprint) und Gewichtheben an.
  • Die Substanzen: Rund 91 % der Teilnehmenden gaben an, Testosteron zu nutzen, 79 % griffen auf Wachstumshormone zurück. Dennoch gab es auch Sportler, die ohne Dopingmittel antraten.
  • Die Preisgelder: Das Event lockte mit Antrittsgeldern und Prämien in Millionenhöhe. Für einen Sieg gab es $250.000, das Brechen von Weltrekorden wurde zusätzlich mit einer Million US-Dollar belohnt.
  • Die sportliche Bilanz: Die Erwartungen der Investoren an neue Fabel Rekorde wurden weitgehend entfrostet. Es wurde lediglich ein "Weltrekord" gebrochen (über 50 Meter Freistil durch den Griechen Kristian Gkolomeev), der jedoch vom internationalen Schwimmverband nicht anerkannt wird, da auch verbotene Schwimmanzüge erlaubt waren.
  • Hintergrund: Gegründet wurde das Projekt vom australischen Unternehmer Aron D'Souza. Finanziell unterstützt wird es unter anderem von Tech-Milliardären wie Peter Thiel und Christian Angermayer.

Ja, ich war schon ein Visionär!

 

Berlin, am 26.Mai 2026