Für einen besseren Durchblick!
Jedes Mal, wenn mein Heidchen im Zwei-Wochen-Rhythmus mein Wohnzimmer betritt, sagt sie denselben Satz:
„Deine Fenster müssten mal geputzt werden.“
Das ist zunächst nicht weiter schlimm, denn ungefähr ein halbes Jahr lang überhöre ich diesen Kommentar einfach. Mit bewährter Gelassenheit.
Neuerdings allerdings klingen diese Hinweise etwas dringlicher. Und weil ich mein Heidchen liebe und ihr gern einen Gefallen tue – gleichzeitig aber arbeitsunlustig und von Natur aus eher faul bin – habe ich mir etwas ausgedacht.
Bei Temu habe ich mir einen Fensterputzer bestellt. Allerdings keinen, der persönlich vorbeikommt, sondern einen Automaten, der sich an die Scheibe klebt und die Arbeit selbst erledigt.
Mein Heidchen betrachtete die Sache skeptisch.
„Und wenn der runterfällt – was machst du dann?“
„Und was ist mit den Rahmen?“
„Das Wichtigste sind doch die Rahmen! Die müssen immer schön sauber sein.“
Die Rahmen sind bei mir selbstverständlich immer sauber. Die brauchen gar nicht geputzt zu werden, erklärte ich verzweifelt. Logisch.
Also bestellte ich den Roboter.
Im Beisein von Heidchen packte ich das Gerät aus. Die Bedienungsanleitung war natürlich international, sprich: auf Englisch. Aber mit Hilfe von Lens konnte ich mir immerhin eine deutsche Abschrift erstellen.
Das Probeputzen führte ich dann vorsichtshalber allein durch. Wenn Heidchen dabei ist, wuselt sie immer um mich herum und verteilt ungefähr hundert Ratschläge. Viele davon sind durchaus sinnvoll. Das Problem ist nur: Man kann sie unmöglich alle gleichzeitig umsetzen. Und mit mehr als zwei Dingen gleichzeitig bin ich ohnehin überfordert.
Also ließ ich auf der Schattenseite meiner Wohnung zunächst meine beiden Fenster putzen. Natürlich nicht ich, sondern der kleine Roboter. Und der machte seine Sache erstaunlich ordentlich.
Zur Sicherheit filmte ich das Ganze auch noch. Schließlich muss man im Bekanntenkreis gelegentlich zeigen, auf welchem technologischen Niveau man inzwischen lebt.
Fazit der Geschichte: Zeit spart man mit dem Gerät kaum. Der Roboter bewegt sich eher gemächlich. Aber man hat keine Wasserlachen, muss hinterher nicht die halbe Wohnung trockenwischen und spart sich einige Aufräumaktionen.
Und, was noch wichtiger ist: Es macht mehr Spaß. Man kann mit der Fernbedienung eingreifen und dem Ding auch mal vorschreiben, wo es langzugehen hat.
Kurz gesagt: Das Gerät ist vermutlich weniger etwas für fleißige Frauen – aber für faule Männer ausgesprochen brauchbar.